Bei einer ganzheitlich wirksamen Arznei aus der TCM stellt sich die Frage, ob die Wirkung nicht auch auf eine Placebowirkung zurückzuführen ist. Selbstverständlich wurde dieser Frage im Fachschrifttum nachgegangen.
Es liegen 5 Studien vor, in denen das rote Reismehl (Zhibituo® in einer Tagesdosis von über verschieden lange Zeiträume verabreicht wurde.
WANG Huating et al. (1997) verabreichten diese Dosis Reismehl 63 älteren Patienten {+++}(darunter 21 Frauen) im Alter von 66 ± 4 Jahren zur Lipidregulation. Die Patienten hatten an erhöhten Blutfettwerten seit durchschnittlich 31 ± 27 Monaten gelitten, zeigten zusätzlich koronare Herzkrankheit (n=29), Hypertonus (n=18) oder Diabetes mellitus (n=16). Nach dreimonatiger Behandlung war in der Zhibituo-Gruppe der Gesamtcholesterinspiegel von 278 ± 15 mg/dl auf 220 ± 35 mg/dl gefallen. Analoges galt für die Triglyzeride (230 ± 71 mg/dl auf 168 ± 71 mg/dl). Es fand auch ein Anstieg des HDL von 31 ± 7 mg/dl auf 46 ± 5 mg/dl statt (p < 0.01). Leider machten diese Autoren keine konkreten Zahlenangaben über den Verlauf in der Placebogruppe. Dort hatten die Patienten 20 mg Vitamin B1 dreimal täglich oral erhalten. In deren ebenfalls drei Monate langen Beobachtungsdauer hatte sich keine signifikante Veränderung der anfänglichen Blutfettwerte ergeben. Nebenwirkungen fanden sich nicht. Diese etwas dürftige Berichterstattung wird aber von ausführlicher dokumentierten Studien gestützt, wie nachfolgend dargestellt wird.
LI Hairong (1997) untersuchte ebenfalls ältere Patienten (n=43, darunter 13 Frauen) mit einem Durchschnittsalter von 62 ± 11 Jahren, die neben einer bestehenden Hyperlipidämie keinerlei weitere Zusatzerkrankungen aufwiesen. Alle Patienten erhielten zunächst über 4 Wochen ein Placebopräparat und wurden danach auf Zhibituo® umgestellt, welches die Patienten weitere 8 Wochen einnahmen. Nach jeweils 4 Wochen Reismehleinnahme wurden Gesamtcholesterin, Triglyzeride und HDL gemessen (siehe Tabelle).

Es zeigte sich über den Beobachtungszeitraum hinweg eine deutliche Reduktion von Gesamtcholesterin und Triglyzeriden mit zunehmender Behandlungszeit ab. Das HDL sank innerhalb von 4 Wochen um 20% und blieb auf diesem Niveau auch nach insgesamt 8-wöchiger Gabe von rotem Reismehl. Ein Patient in der Studie von LI Hairong (1997) entwickelte während der Reismehlbehandlung gastrointestinalen Beschwerden, so dass er nach 4 Wochen die Studie abbrach. In allen anderen Fällen jedoch war keine Nebenwirkung zu erkennen gewesen und diese Patienten beendeten die gesamte Studie.
SUN Kexiong und CHEN Xiandu (1997) führten bei 30 Patienten (darunter 15 Frauen) eine placebokontrollierte Untersuchung mit rotem Reismehl durch, wobei es sich nur um Patienten mit Hyperlipidämie ohne Zusatzerkrankungen wie KHK, Hypertonus oder Diabetes mellitus handelte. In der Reismehlgruppe waren die 16 Patienten 57 ± 9 Jahre alt, in der 14köpfigen Placebogruppe 55 ± 11 Jahre. Das eingesetzte rote Reismehlprodukt Zhibituo® wurde über 6 Wochen kontinuierlich gegeben.
Am Ende der Beobachtungszeit fand sich in der Reismehlgruppe eine signifikante Reduktion des Gesamtcholesterins (255 ± 23 mg/dl auf 224 ± 35 mg/dl), die sich in der Placebogruppe nicht einstellte (243 ± 15 mg/dl auf 240 ± 12 mg/dl), obwohl hier die Ausgangswerte sogar noch niedriger als in der Reismehlgruppe gewesen waren. Auch war eine deutliche und signifikante Abnahme der Triglyzeridspiegel in der Reismehlgruppe (248 ± 79 mg/dl auf 185 ± 71 mg/dl) feststellbar. Unter Placebo waren die deutlich besseren Ausgangswerte nach der Scheinbehandlung sogar schlechter geworden (168 ± 53 mg/dl auf 203 ± 88 mg/dl). Nebenwirkungen waren weder unter Zhibituo® noch unter Placebo aufgetreten. Um eine eigenständige Wirkung unbehandelten Reises auszuschließen, verglichen TIAN Yunlong et al. (1997) das monascus-fermentierte rote Reismehlprodukt Zhibituo® mit konventionellem, gemahlenem Reis in einer Studie an 60 Personen. Alle Patienten litten unter Hyperlipidämie, hatten aber keine zusätzlichen Erkrankungen wie KHK, Hypertonus oder Diabetes. Jeweils die Hälfte der Personen bekam rotes Reismehl (3.15 g/d oder unbehandelten, gemahlenen Reis (0.9 g/d) für die Dauer von 2 Monaten verabreicht. Unter Zhibituo® sanken das Gesamtcholesterin von 189 ± 46 mg/dl auf 135 ± 42 mg (normaler Reis: 181 ± 50 auf 178 ± 54 mg/dl), die Triglyzeride von 195 ± 53 mg/dl auf 142 ± 44 mg/dl (normaler Reis: 195 ± 80 auf 195 ± 53 mg/dl) und das LDL von 185 ± 35 mg/dl auf 170 ± 27 mg (normaler Reis: 189 ± 31 auf 185 ± 27 mg/dl), während das HDL von 81 ± 9 mg/dl auf 92 ± 12 mg/dl (normaler Reis: 84 ± 5 auf 85 ± 7 mg/dl) anstieg. Alle Veränderungen unter Zhibituo® waren statistisch signifikant (p < 0.05), während unter normalem Reis die Veränderungen ohne Signifikanz blieben (p > 0.05). Nebenwirkungen traten nicht auf.
Am umfangreichsten war der Vergleich zwischen fermentiertem Reismehl und Placebo in der Untersuchung von XU Jimin et al. (1997), da hier nicht nur die regulären Blutfette, sondern auch die Apolipoproteine A1 und B100 sowie das Lipoprotein(a) bestimmt wurden. In zwei Studienarmen mit je 15 Personen (darunter insgesamt 17 Frauen) wurden Patienten mit Hyperlipidämie und zusätzlichen Erkrankungen (KHK: n=10; Hypertonus: n=5) bis hin zum überlebten Myokardinfarkt oder Schlaganfall aufgenommen. Die Laufzeit der Untersuchung betrug 6 Wochen. Bei Gesamtcholesterin, Triglyzeriden und LDL kam es erwartungsgemäß zu deutlichen Reduktionen unter rotem Reismehl (nicht jedoch unter Placebo), wobei diese Ergebnisse nicht immer statistisch signifikant ausfielen. Das HDL konnte unter rotem Reismehl gesteigert werden, aber die Zunahme war nicht signifikant und unterschied sich auch nicht von jener in der Placebogruppe. Das HDL-assoziierte Apolipoprotein A1 nahm analog zu, die Veränderungen waren aber ebensowenig statistisch signifikant, während das LDL-assoziierte Apo B100 signifikant reduziert wurde und dies stärker als unter Placebo. Das Lipoprotein(a) blieb unverändert, was daran lag, dass es in beiden Gruppen vor Therapie schon im Normalbereich (< 0.3 g/l) gelegen hatte. Die einzelnen Resultate der Studie von XU Jimin et al. (1997) sind in der nachfolgenden Tabelle dargestellt.

Aus den 5 Studien mit 196 Patienten kann abgeleitet werden, dass rotes Reismehl hinsichtlich der Blutfettregulation besser als Placebo wirkt und somit die Wirksamkeit der Zubereitung nicht auf zufälligen Scheineffekten beruht.