Farbpigmente in rotem Reismehl

November 12th, 2009 rmandt Posted in b. Farbpigmente No Comments »

Farbpigmente des roten Reismehls


Die typischen Farbpigmente fanden sich in einem Gewichtsanteil von 0,3%. Monascus purpureus Went bringt sechs verschiedene Farbpigmente ein, darunter zwei rot-gelbliche (Ankaflavin und Monascin) zwei rot-orange (Monascorubrin und Rubropunctatin) ein purpurfarbenes (Rubropunctamin) und ein violettes (Monascorubramin).

In China und anderen nicht-europäischen Staaten werden besonders pigmentreich fermentierte Reismehle, deren Gehalt an lipidregulierenden Monacolinen {+++}eher gering ist, häufig zur Lebensmittelfärbung verwendet. So erhält die Peking-Ente ihre typische rote Farbe durch die roten Farbpigmente. Auch so mancher chinesische Wein erhält seine Färbung durch gleichzeitige Fermentation mit Monascus purpureus-Hefen. In Japan wird besonders pigmentreich fermentiertes rotes Reismehl, dessen Gehalt an blutfettregulierenden Monacolinen sehr niedrig ist, unter der Bezeichnung ‘Beni Koji’ zur Färbung von Speisen verwendet. Im Unterschied zum chinesischen Hong Qu, der mit Monascus purpureus-Hefen erzeugt wird, erzeugt man in Japan Beni Koji unter Zuhilfenahme von Monascus ruber-Hefen. Nachteil bei diesem Verfahren ist die hohe Belastung des Beni Koji mit Citrinin, wobei in Japan eine Belastung bis zu 2 ppm (= 2.000 ppb) von den Lebensmittelbehörden toleriert wird. Dies entspricht 2 Millionstel Gramm Citrinin pro kg Reismehl. Diese Citrininbelastung liegt um ein Mehrhundertfaches über derjenigen, die man in seriös hergestelltem chinesischen Hong Qu finden kann. Die chinesischen Heilmittel sind bis zur unteren HPLC-Nachweisgrenze (20 ppb) citrininfrei.

Einige der oben genannten Farbpigmente konnten im Zellkulturversuch eine antibiotische Wirkung gegen Keime wie Bacillus subtilis, Pseudomonas, Corynebacterium sp., Streptomyces, Candida pseudotropicalis, Aspergillus niger, Aspergillus tereus und Penicillium notatum zeigen (Martinkova et al. 1995). Die Reismehlpigmente zeigten sich im Tierversuch bisher nicht in der Lage, die Darmwand zu passieren. Ein Übertritt in das Serum ist bisher als unwahrscheinlich anzusehen. Ein möglicher Einfluss auf eine systemische Infektion mit Bakterien wurde bisher allerdings nicht untersucht. Eine systematische Gabe von stark pigmenthaltigem Reismehlpulver zur Behandlung von Durchfallerkrankungen wurde bisher in keiner klinischen Studie untersucht.

Ein in China zur Lipidregulation eingesetztes Reismehlprodukt (Zhibituo) hat jedoch bei chronischem Durchfall innerhalb einer vierwöchigen Behandlungsdauer seine Wirksamkeit zeigen können (Pang et al. 1997). Die Autoren untersuchten während September bis August  insgesamt 80 Patienten, die an chronischem Durchfall litten. Die mit monascusfermentiertem roten Reismehl behandelte Gruppe umfasste 50 Patienten (darunter 23 Männer) im Alter von 46 +/- 9 Jahren (29 bis 64 Jahre) und einer bisherigen Erkrankungsdauer von 9 +/- 5 Jahren (7 Monate bis 23 Jahre). Die Patienten hatten vor Therapiebeginn täglich 8 +/- 4 Stuhlgänge (4 bis 11 Stuhlgänge). Ihnen wurde eine 30köpfige Kontrollgruppe gegenübergestellt, die sich hinsichtlich Alter, Geschlecht, Erkrankungsdauer und Stuhlfrequenz nicht signifikant unterschied (p > 0,05).

Den Patienten der Untersuchungsgruppe wurde Zhibituo (3-3-3 Tabletten bzw. 3.15 g/d Reismehl) täglich über vier Wochen verabreicht, während die Kontrollgruppe ein in China übliches Obstipanz (Tongbianling, 1 g dreimal täglich) als wirksame Vergleichsmedikation erhielten. Als Zielparameter wurde die Reduktion der täglichen Stuhlfrequenz auf zwei oder weniger angestrebt oder zumindest die Halbierung der bisherigen Stuhlfrequenz. In der Zhibituo-Gruppe sank die durchschnittliche Stuhlfrequenz von 8 +/- 4 auf 3,2 +/- 4 pro Tag ab. 56% Zhibituo-Behandelte hatten nach Therapieende 2 oder weniger Stühle täglich, während weitere 40% eine Halbierung der Stuhlfrequenz zeigten. Diese resultierende Gesamterfolgsrate von 96% unterschied sich nicht signifikant (p > 0,05) von jener, die mittels der herkömmlichen Präparation Tongbianling (97%) erzielt werden konnte.

Hinsichtlich der klinischen Symptomatik überzeugte jedoch Zhibituo, da die vor Therapiebeginn bei allen Patienten vorhandenen Symptome (Flatulenz, abdominelle Schmerzen, Appetitverlust) unter dieser Medikation bei 46% der Fälle innerhalb der 1. Behandlungswoche und bei 100% der Fälle nach der 2. Behandlungswoche verschwunden waren. Demgegenüber waren diese klinischen Symptome unter Tongbianling lediglich in 30% der Fälle bis zur 2. Behandlungswoche verschwunden. Nebenwirkungen der Zhibituo-Therapie wurden von den Autoren nicht festgestellt.

Ursächlich für diesen positiven Effekt der Reismehlzubereitung ist wahrscheinlich ein multimodaler Ansatz. Auf der einen Seite wirken die verschiedenen Farbpigmente in unterschiedlicher Weise antibiotisch und dies offenbar nur gegenüber pathologischen Darmbakterien. Auf der anderen Seite können die Monacoline offenbar auch in die Zellwandsynthese dieser pathologischen Darmbakterien störend einwirken und somit deren Wachstumsverhalten zusätzlich negativ beeinflussen. Dies zeigt einmal mehr die Richtigkeit so mancher historischen Mitteilung in alten Arzneimittelbüchern der Traditionellen Chinesischen Medizin. Bereits im mehrere hundert Jahre alten ‘Buch der heilenden Kräuter’ wurde rotes Reismehl zur Behandlung von Durchfallerkrankungen, Bauchschmerzen und Magenbeschwerden empfohlen.

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