Fermentiertes Rotes Reismehl

November 12th, 2009 rmandt Posted in 03. Rotes Reismehl - Herstellung No Comments »

Herstellung monascus-fermentierten roten Reismehls


Einige westliche Lipidsenker der Statinklasse werden – ebenso wie rotes Reismehl – auf der Basis von Fermentationsprozessen hergestellt. Zur Erzeugung des Ausgangsmaterials, das zur Herstellung von Lovastatin, Simvastatin oder Pravastatin dient, benutzt man im Westen Mikroorganismen verschiedener Species (u.a. Aspergillus, Nocardia, Mucor, Penicillium, Mortierella).

Fermentiertes rotes Reismehl wird seit Jahrhunderten traditionell unter Verwendung von Hefepilzen der Gattung Monascus hergestellt. Im Gegensatz zu {+++}Japan, wo Monascus ruber primär zur Erzeugung von farbpigmentreichen Reismehl-Farbpulvern (Beni Koji) für die Lebensmittelindustrie eingesetzt wird, ist in China die Nutzung von Monascus purpureus-Stämmen zur Herstellung von Hong Qu gesetzlich vorgeschrieben. Monascus ruber-Stämme werden zur Herstellung fermentierten Reismehls in China nicht verwendet, da Sie ungewollte Nebenwirkungen hervorrufen.

Monascus-fermentiertes rotes Reismehl ist das Produkt eines Fermentationsprozesses, der sich mit der in Europa üblichen Brot-, Bier- oder Weinherstellung am ehesten vergleichen lässt. Allerdings ist der Prozess ein wenig aufwendiger. Bei der Reismehlherstellung wird polierter Reis (Oryzae sativa) gewaschen, sterilisiert und mit Schimmelpilzkulturen beimpft. In China wird dafür Monascus purpureus verwendet. Nachfolgend zeigen wir Ihnen, wie die Monascus purpureus-Hefepilzkulturen aussehen.

Monascus purpureus-Hefepilzkulturen in Glaskolben
Monascus purpureus-Hefepilzkulturen in Glaskolben

Man erkennt die typisch tiefrote Farbe der Monascuskulturen, die der Hefepilz in seinem Wachstumsmedium produziert. Dabei handelt es sich um Farbpigmente, die dem Reismehl seine typisch rötliche Farbe verleihen. Die hohe Farbdichte ergibt sich aus der hohen Hefepilzkonzentration in den Transportbehältnissen. Im Endprodukt ist der Farbwert aufgrund von Verdünnungseffekten niedriger.

Der Monascus purpureus-Hefepilz (ein sog. Schlauchpilz) verzehrt seine Fermentationsgrundlage und produziert zunächst Farbpigmente und nachfolgend blutfettregulierende Monacoline und andere Substanzen (z.B. Bioflavonoide, ungesättigte Fettsäuren, Aminosäuren). Dieser Prozess benötigt mindestens 5-7 Tage, um die blutfettregulierenden Monacoline in ausreichender Menge zu erzeugen. Das nachfolgende Bild zeigt Ihnen den fertigen, fermentierten Reis, bevor er in einer Mühle zu feinem Reismehl gemahlen wird.

roter Reis nach der Fermentation
Fermentierter roter Reis vor dem Mahlen

Der Produktionsprozess wird nach Erreichen der gewünschten Monacolinkonzentration durch Erhitzen beendet. Das Reismehl wird dann getrocknet, fein gemahlen, verpackt, auf Qualität kontrolliert und danach in den Versand gegeben. Auf diese Weise gelingt es, aus dem Lebensmittel Reis unter Fermentation mit Monascus purpureus Went-Hefepilzen ein hochwirksames, Monacolinehaltiges Reismehl herzustellen.

Schematischer Ablauf der Reismehlproduktion

In westlichen Industrienationen wird mit großem Aufwand aus mikrobieller Fermentation stammende Basismoleküle durch industrielle Weiterverarbeitung zu hochwirksamen Lipidsenkern der Statinklasse umgewandelt. Patentiert. Monacolin K, (die Laktonform der im roten Reismehl enthaltenen Mevinolinsäure) ist dabei oft das Ausgangsmolekül. Anhand der folgenden Statine soll dies illustriert werden.

  • Pravastatin: Monacolin K (im US-amerikanischen Sprachraum wird es auch als ‘Mevinolin’ oder Lovastatin bezeichnet) wird mittels mikrobieller Fermentation hergestellt, extrahiert und durch mikrobielle Hydroxylierung in Pravastatin umgewandelt. Pravastatin wird allerdings auch aus Compactin mittels Fermentation hergestellt.
  • Lovastatin: aus Mevinolinsäure, die z.B aus industrieller Fermentation von Aspergillus tereus oder Penicillium citrinium stammt, wird aus dem Fermentationssud unter Ansäuerung (pH 2-3) und Temperaturzufuhr (40-60 Grad Celsius) über längere Zeit (16-24 h) wird das Lakton Lovastatin erzeugt.
  • Simvastatin: Lovastatin dient hier als Ausgangsmaterial, aus welchem mittels direkter Methylierung, De-Esterifizierung oder Alkylierung Simvastatin erzeugt wird.

Diese komplizierten Produktionswege sind im Westen notwendig, weil die natürlich auftretenden Monacoline und die sie produzierenden, natürlich vorkommenden Monascus purpureus-Hefepilze nicht patentierbar sind. Es handelt sich bei den Monacolinen nicht um künstliche, sondern in der Natur vorkommende Substanzen. Im Gegensatz dazu stehen westliche Statinstrukturen, die in der Form, in welcher sie beim Menschen angewendet werden, so nicht natürlich vorhanden sind.

Monascus-Hefepilze sind nicht gentechnisch modifiziert. Sie sind durch einfache, wenn auch aufwendige, Zuchtmethoden in jahrelanger Arbeit optimiert worden. In den westlichen Industrienationen garantiert die Patentierung einer Substanz den Marktzugang und erlaubt eine gute taktische Positionierung gegenüber der Konkurrenz.

In China hingegen schützt lediglich das uralte Wissen um eine optimale Herstellung von Reismehl. Die fundierte Erfahrung bietet die Grundlage im Umgang mit den notwendigen Hefepilzkulturen. Zur Herstellung des natürlichen, einfachen Monacolin-Reismehls.

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