Bencao gangmu, das ‘Buch der heilenden Kräuter’ des Li Shizhen

November 12th, 2009 rmandt Posted in a. Li Shizhen No Comments »

Die chinesische Medizin ist eine anwendungsorientierte Disziplin zur Heilung chronischer Leiden. Ihre heutzutage am weitesten verbreitete Form, die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), zeichnet sich durch eine 3.000jährige Geschichte aus.

Noch weiter zurück, nämlich vor ca. 5.000 Jahren, reicht die Tradition des Aufzeichnens therapeutischer Wirkung diverser Heilmittel in Buchform. Fu Hsi, der im 3. vorchr. Jahrtausend am Hof der chinesischen Kaiser Shen Nung und Huang Ti lebte (der letztere von beiden ging als der ‘Gelbe Kaiser‘ in die Geschichte ein), soll die Tradition der Niederlegung medizinischen Wissens in Form von Enzyklopädien in China begründet haben.

Darstellung des Fu Hsi (3. vorchr. Jahrtausend) Darstellung des Fu Hsi

Der ‘Gelbe Kaiser‘ selbst gilt als Verfasser des ‘Kanon der Inneren Medizin’ (Nei Ching), auf dessen Inhalt sich in späterer Zeit viele medizinische Publikationen in China berufen haben. Eine der umfangreichsten Abhandlungen chinesischer Heilmittel ist jedoch das aus der Zeit der Ming-Dynastie (1368-1644) stammende ‘Buch der heilenden Kräuter’ (Bencao gangmu oder Pen Ts’ao Kang Mu). Es wurde von Li Shizhen (1518-1593), dem Leibarzt des Pekinger Prinzen Chu, im Jahre 1578 veröffentlicht. Der Arzt wirkte damals am königlichen Hospital in Peking (Beijing taiyi yuan).

Darstellung des Pekinger Arztes Li Shizhen (1518-1593) Holzschnitt des Li Shizhen

Li Shizhen wirkte damals am Königlichen Hospital in Peking (Beijing taiyi yuan). Sein Werk ist bis heute die umfangreichste Arzneimittellehre über chinesische Heilmittel, die neben Botanik auch Zoologie, Mineralogie und Metallurgie umfasst. Sein Werk wurde vielfach kopiert, jedoch gibt es heute nur noch 5 zeitgenössische Ausgaben.

Bencao ganmu, Darstellung einer Abschrift, die von der Buchhandlung Benli Tang in Peking im Jahre 1717 veröffentlicht wurde

Eine der ältesten, heute noch existierenden Abschriften des ‘Buch der Heilenden Kräuter‘ umfasst 23 Bücher mit einer Größe von jeweils 260 x 165 mm, die auf Bambuspapier gedruckt und mit Holzumschlägen versehen sind. Insgesamt beinhaltet die älteste erhaltene Abschrift der Enzyklopädie 1.160 Illustrationen und 1.192 Beschreibungen von Arzneimitteln. Die oben dargestellte Ausgabe ist auch heute noch in ausgezeichnetem Zustand. Man erkennt immer noch vier rote Siegel, die u.a. den Hersteller, das Publikationsdatum und eine Warnung vor unerlaubter Vervielfältigung beinhalten.

Bevor Li Shizhen sein Lebenswerk schrieb, verbrachte etwa 30 Jahre mit dem Studium von medizinischen Werken seiner Vorgänger. Er sammelte Pflanzenproben, prüfte althergebrachte Arzneimittel, beschrieb exakt das Aussehen, den Anbau, die Herstellung und die Anwendung derselben und gelangte auf diese Weise zu einer Aufstellung, die 11.100 Rezepturen umfasste.

Bereits im Jahre 1596, drei Jahre nach dem Tod Li Shizhens, wurde aufgrund der großen Nachfrage der erste Nachdruck des Buches der Heilenden Kräuter in Nanjing gefertigt. Kurze Zeit später erfolgten Nachdrucke in Jiangxi und Hubei. Später erfolgten Übersetzungen in Japanisch, Englisch, Russisch, Französisch, Latein und Deutsch. In England brachten die Ärzte Porter und Smith gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine gekürzte Fassung auf den Markt und 1932 versuchte sich der Brite B. E. Reid an einer weiteren Kurzfassung.  Eine vollständige, allumfassende Übersetzung der chinesischen Werke des Li Shizhen gibt es {+++}jedoch bis heute weder in englischer noch deutscher Sprache.

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