Rotes Reismehl – Erstbeschreibung

November 12th, 2009 rmandt Posted in c. Im Jahre 1578 No Comments »

Erstbeschreibung: Rotes Reismehl im Jahre 1578


Rotes Reismehl (chin.: Hong Qu) war bereits im antiken China bekannt. Ursprünglich wurde es als Konservierungs- und Farbstoff in der chinesischen Färbeindustrie verwendet. Die erste diesbezügliche Erwähnung stammt von Tao Gu, der in der Wudai-Zeit nach der Tang-Dynastie lebte und im Buch Quing Yi Lu erstmals das Kochen von Fleisch unter Zuhilfenahme von färbendem roten Reis beschrieb. Die Herstellung von rotem Reis wurde erstmals im Werk T’ien Kyng K’ai Wu aus dem Jahre 1637 beschrieben.

Bestimmte Zubereitungsformen wurden jedoch schon früher zur Behandlung von Krankheiten beschrieben. Die erste diesbezügliche Erwähnung findet sich im Buch der heilenden Kräuter (Bencao gangmu oder Pen Ts’ao Kang Mu) aus dem Jahre 1578. Dessen Autor Li Shizhen beschrieb die Herstellung von Reismehl folgendermaßen:{+++}

Man nehme 1 Dan [Hektoliter] und 5 Dou [Dekaliter] von Jing Mi [eine bestimmte Reissorte, die rund und etwas klebrig ist]. Man wasche die Menge mit Wasser in einem Korb und lasse sie eine Nacht lang einweichen, dann koche man sie wie zum Essen. Dann teile man den Reis in 15 Portionen und füge 3 Jin Pilzmutter [die Starterkultur der Hefe] hinzu.
Man rolle und knete die Masse, um alles gleichmäßig zu verteilen. Alles zusammen soll man zu einer Portion formen und mit einem Seidentuch sorgfältig abdecken. Man erhitze das Ganze und unmittelbar danach nehme man das Tuch ab und breite den Reisbrei aus. Wenn sich der Reisbrei noch warm anfühlt, solle man ihn schnell zu einem Haufen zusammenschieben. Dieser wird sorgfältig mit einem Tuch abgedeckt. Am nächsten Tag in der Mittagszeit mache man aus dem Brei nochmals drei Haufen, lasse ihn einige Zeit ruhen und forme aus jedem Teil fünf Haufen. Diese solle man einige Zeit ruhen lassen. Dann alles zu einem Haufen formen. Dann einige Zeit ruhen lassen. Aus dem Teil 15 Haufen formen, ein wenig erwärmen und wieder einen Haufen daraus formen. Auf diese Weise noch einige Male vorgehen. Am dritten Tag eine große Tonne mit frisch geschöpftem Wasser füllen, den Reis kurz eintauchen und nass weiterverarbeiten, nochmals einen Haufen formen. Ein weiteres Mal nach der oben genannten Methode verfahren. Am vierten Tag wie vorher wieder eintauchen. Wenn der Pilz zur Hälfte absinkt und zur Hälfte an der Oberfläche schwimmt, dann wieder entsprechend der oben genannten Methode ein weiteres Mal verfahren. Wieder kurz eintauchen. Wenn der Pilz vollends oben schwimmt, dann ist es fertig. Ihn herausnehmen, an der Sonne trocknen und einsammeln.
Wenn man Hong Qu zu Alkohol, Fischsoße oder gehacktem Fleisch hineingibt, dann ergibt sich ein frisches ansprechendes Rot. Wenn man ihn Arzneimitteln beifügt, nimmt man abgelagerten Hong Qu.‘

Diese genaue Beschreibung der Reismehlherstellung in den historischen Schriften zeigt das exakte Vorgehen. Die Zubereitung erinnert ein wenig an die Sauerteigbereitung zum Brot backen in westlichen Kulturkreisen mit dem Unterschied, dass anstelle des handelsüblichen weißen Reis es Mehlteig mit einer Starterkultur beimpft wird.

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Einleitung

November 12th, 2009 rmandt Posted in 02. Über China No Comments »

Monascus purpureus-fermentiertes rotes Reismehl ist außerhalb des Fernen Ostens eine unbekanntes Produkt zur Behandlung.

Rotes Reismehl findet anhand seiner Inhaltsstoffe viele Freunde. Jedoch dominieren in jener Zubereitungsform, die seit 500 Jahren in der traditonellen chinesischen Medizin (TCM) Verwendung findet, die Anhänger einer cholesterinbewussten Ernährung. Von deren positiver Wirkung für den Menschen soll in dieser Publikation ausführlich berichtet werden.

Obwohl Rotes Reismehl in China seit Jahrhunderten verwendet wird, wurde erst in den letzten Jahrzehnten eine intensive hochschulmedizinisch orientierte Untersuchung dieses Fermentationsproduktes eingeleitet. Dies hängt zum einen mit den zu Beginn der 1990iger Jahre einsetzenden Reformbewegungen im Land der aufgehenden Sonne zusammen. Zum anderen wird sich China der Stärken seiner traditionellen Therapeutika zunehmend wieder bewusst.

Die traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist kein festgefügtes System. Die TCM bietet eine Vielzahl von Therapeutika und Heilweisen. Aus diesem Sammelsurium, das für den Bewohner westlicher Industrienationen auf den ersten Blick chaotisch erscheint, sollte man sich die therapeutischen Perlen herausfiltern. Um diese natürlichen Mittel anzuwenden, benötigt man die traditionelle Diagnose der Chinesen nicht, denn es handelt sich nicht um Mittel, die Glauben oder Hoffnung bedürfen, um wirksam zu sein. Die gesamte Betrachtungsweise ist der Ausgangspunkt einer erfolgversprechenden Behandlung.

Bei roten Reismehl handelt es sich um ein Heilmittel, das auch bei gezielter, westlich orientierter Indikationsstellung hilfreich ist. Seine Wirksamkeit ist in vielen hochschulmedizinisch ausgerichteten klinischen Studien an diversen medizinischen Universitäten seit Mitte der 1990iger Jahre geprüft worden. Es verdrängt mittlerweile dort im Handel befindliche westliche Lipidsenker, weil es wirksam, exzellent verträglich und preiswert ist.

Diese Publikation führt den geneigten Leser zunächst in die geschichtlichen Hintergründe des roten Reismehls ein, zeigt dessen Herstellung und bietet einen Blick auf die Qualitätsbewertung. Nach der Analyse seiner Inhaltsstoffe wird die hauptsächliche therapeutische Anwendung des roten Reismehls (die Regulation der Blutfette) ausführlich dargelegt. Besonderer Wert wird auf die Darstellung der Wirksamkeit in der Behandlung der einfachen und durch zusätzliche Krankheiten (KHK, Bluthochdruck, Diabetes melllitus) verkomplizierten Hyperlipidämie gelegt. Besonders diese Betroffenen profitieren nachweislich von der prophylaktischen Einnahme roten Reismehls. Dessen präventive Kraft trägt zur Senkung der kardiovaskulären Sterblichkeit bei.

Aufgrund der starken Verbreitung roten Reismehls in China trägt es seit Jahrhunderten dazu bei, dass die koronare Sterblichkeit der Chinesen deutlich niedriger ist als jene der Europäer. {+++}Die Ausführungen über die evidence-basierte Wirksamkeit des hochwirksamen und exzellent verträglichen roten Reismehls werden mit wissenschaftlicher Original-Literatur aus China belegt, die bis heute im westlichen Sprachraum völlig unbekannt geblieben ist.

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Medizinische Systeme in China

November 12th, 2009 rmandt Posted in b. Medizinische Systeme No Comments »

Als Europäer ist man von der schillernden Welt der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) geblendet. Die Entwicklung der chinesischen Medizinsysteme kurz abzuhandeln, ist unmöglich, aber ein kurzer Blick in die Geschichte dieser Medizinform ist unbedingt notwendig. Nur so gelingt dem Anhänger sachlich-westlicher Medizin ein erster Brückenschlag in die nur scheinbar blumige therapeutische Welt der chinesischen Medizin (TCM).

Ahnenheilkunde: In der Frühzeit war die chinesische Medizin von einer Ahnenheilkunde geprägt, die in die Zeit der {+++}Shang-Dynastie (2. vorchristliches Jahrtausend) einzuordnen ist. Überlebt hat aus dieser Zeit noch ein Krankheitsverständnis, das einerseits durch Beziehungen zwischen den Lebenden und den Toten geprägt, andererseits aber auch durch Wissen über die natürliche Beeinflussung von Leben und Krankheit bestimmt ist.

Dämonenheilkunde: Historisch folgte der Ahnenheilkunde in der Chou-Zeit (1. vorchristliches Jahrtausend) die Dämonenheilkunde. Diese Heilkunde stelle ein Netzwerk dar, welches von feindseligen, dämonischen Angriffen geprägt war. Dämonen waren böswillige Geister, die den Körper der Erkrankten heimsuchten. Folgerichtig musste man sich magischer Elemente bedienen und diese Dämonen aus- bzw. vertreiben. Es wurden Amulette/Talismane (Fu) oder Siegel (Yin) als Vertreiber eingesetzt. Daneben gab es Bannsprüche, Besprechungsformeln und auch Arzneimittel in Form von chinesischen Kräutern.

Konfuzianisches Konzept der systematischen Entsprechungen: Fast parallel zur Dämonenheilkunde entwickelte sich das durch die Lehren des Konfuzius (551-479 v. Chr.) beeinflusste Heilkonkonzept der systematischen Entsprechungen. Es war wiederum eine magisch geprägte Medizin, die sich jedoch nicht mehr auf Personen (also Dämonen) konzentrierte, sondern auf natürliche Entsprechungselemente und aussagekräftigere Symbole abzielte. Ein typisches Beispiel für dieses Konzept ist die sog. Yin-Yang-Lehre. Dabei bedeutet Yin die ‘Schattenseite des Hügels’, Yang hingegen dessen ‘Sonnenseite’. Das System wurde erweitert und symbolisiert.

So entsprach Yin

  • der Dunkelheit, dem weiblichen Prinzip, Kälte, Regen und Feuchtigkeit.

Yang wiederum stand für

  • Sonnenschein, dem männlichen Prinzip, dem Sommer oder der Hitze.

Fünf-Handlungsphasen-Lehre: Etwa 300 Jahre vor Christus entstand diese von Tsou Yen geschaffene Lehre. Dabei wurden konkrete Orientierungsele-mente in Form von Naturphänomenen (Wasser, Erde, Feuer, Holz, Metall) festgelegt, die in einem Geflecht von 16 Wandlungs- bzw. Überwindungsbeziehungen standen. So überwand Erde angeblich Wasser, Wasser hingegen Feuer und Metall überwand Holz. Aus Feuer konnte Asche/Erde und aus Holz wiederum Feuer entstehen. Hier gibt es Überschneidungen zur indischen Ayurveda und zur griechischen und römischen Medizin. Zwischen diesen Kulturkreisen bestand u.a. über die Seidenstraße jahrhundertelang ein Austausch medizinischen Wissens.

Taoismus: Nicht unerwähnt bleiben darf der Taoismus, der in der Anfangsphase des Konfuzianismus ein alternatives philosophisches Modell darstellte. Der religiöse Zweig des Taoismus stand mit dem philosophischen Bereich (Mystik, Quietismus, Körperübungen) und dem naturphilosophisch orientierten Bereich (Yin/Yang, 5 Elemente-Lehre, Wandlung Yi-Jing) in Beziehung. Der Taoismus war auf Langlebigkeit des Menschen ausgerichtet, was nicht nur zufällig an die ayurvedische Lehre vom langen Leben erinnert.

Akupunktur: Auf die vermutlich ebenfalls in vorchristliche Zeit (nämlich das 5. vorchristliche Jahrhundert) zu datierende Lehre, die nur im Westen einen erheblichen Teil der sog. ‘traditionellen chinesischen Medizin (TCM)‘ zu verkörpern scheint, kann hier aus Platzgründen nicht eingegangen werden, zumal es sich um eine invasive bzw. technische Therapie handelt, die mit der Einnahme von Arzneien nichts gemein hat. Bemerkenswert ist jedoch die sog. Moxibustion, bei der Heilkräuter auf bestimmten Akupunkturpunkten verbrannt wurden. Die Einstiche orientierten sich primär am Sitz vermuteter böser Geister: ‘Dämonenherz’, ‘Dämonenhalle’, ‘Dämonenlage’ oder ‘Dämonenweg’.

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Bencao gangmu, das ‘Buch der heilenden Kräuter’ des Li Shizhen

November 12th, 2009 rmandt Posted in a. Li Shizhen No Comments »

Die chinesische Medizin ist eine anwendungsorientierte Disziplin zur Heilung chronischer Leiden. Ihre heutzutage am weitesten verbreitete Form, die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), zeichnet sich durch eine 3.000jährige Geschichte aus.

Noch weiter zurück, nämlich vor ca. 5.000 Jahren, reicht die Tradition des Aufzeichnens therapeutischer Wirkung diverser Heilmittel in Buchform. Fu Hsi, der im 3. vorchr. Jahrtausend am Hof der chinesischen Kaiser Shen Nung und Huang Ti lebte (der letztere von beiden ging als der ‘Gelbe Kaiser‘ in die Geschichte ein), soll die Tradition der Niederlegung medizinischen Wissens in Form von Enzyklopädien in China begründet haben.

Darstellung des Fu Hsi (3. vorchr. Jahrtausend) Darstellung des Fu Hsi

Der ‘Gelbe Kaiser‘ selbst gilt als Verfasser des ‘Kanon der Inneren Medizin’ (Nei Ching), auf dessen Inhalt sich in späterer Zeit viele medizinische Publikationen in China berufen haben. Eine der umfangreichsten Abhandlungen chinesischer Heilmittel ist jedoch das aus der Zeit der Ming-Dynastie (1368-1644) stammende ‘Buch der heilenden Kräuter’ (Bencao gangmu oder Pen Ts’ao Kang Mu). Es wurde von Li Shizhen (1518-1593), dem Leibarzt des Pekinger Prinzen Chu, im Jahre 1578 veröffentlicht. Der Arzt wirkte damals am königlichen Hospital in Peking (Beijing taiyi yuan).

Darstellung des Pekinger Arztes Li Shizhen (1518-1593) Holzschnitt des Li Shizhen

Li Shizhen wirkte damals am Königlichen Hospital in Peking (Beijing taiyi yuan). Sein Werk ist bis heute die umfangreichste Arzneimittellehre über chinesische Heilmittel, die neben Botanik auch Zoologie, Mineralogie und Metallurgie umfasst. Sein Werk wurde vielfach kopiert, jedoch gibt es heute nur noch 5 zeitgenössische Ausgaben.

Bencao ganmu, Darstellung einer Abschrift, die von der Buchhandlung Benli Tang in Peking im Jahre 1717 veröffentlicht wurde

Eine der ältesten, heute noch existierenden Abschriften des ‘Buch der Heilenden Kräuter‘ umfasst 23 Bücher mit einer Größe von jeweils 260 x 165 mm, die auf Bambuspapier gedruckt und mit Holzumschlägen versehen sind. Insgesamt beinhaltet die älteste erhaltene Abschrift der Enzyklopädie 1.160 Illustrationen und 1.192 Beschreibungen von Arzneimitteln. Die oben dargestellte Ausgabe ist auch heute noch in ausgezeichnetem Zustand. Man erkennt immer noch vier rote Siegel, die u.a. den Hersteller, das Publikationsdatum und eine Warnung vor unerlaubter Vervielfältigung beinhalten.

Bevor Li Shizhen sein Lebenswerk schrieb, verbrachte etwa 30 Jahre mit dem Studium von medizinischen Werken seiner Vorgänger. Er sammelte Pflanzenproben, prüfte althergebrachte Arzneimittel, beschrieb exakt das Aussehen, den Anbau, die Herstellung und die Anwendung derselben und gelangte auf diese Weise zu einer Aufstellung, die 11.100 Rezepturen umfasste.

Bereits im Jahre 1596, drei Jahre nach dem Tod Li Shizhens, wurde aufgrund der großen Nachfrage der erste Nachdruck des Buches der Heilenden Kräuter in Nanjing gefertigt. Kurze Zeit später erfolgten Nachdrucke in Jiangxi und Hubei. Später erfolgten Übersetzungen in Japanisch, Englisch, Russisch, Französisch, Latein und Deutsch. In England brachten die Ärzte Porter und Smith gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine gekürzte Fassung auf den Markt und 1932 versuchte sich der Brite B. E. Reid an einer weiteren Kurzfassung.  Eine vollständige, allumfassende Übersetzung der chinesischen Werke des Li Shizhen gibt es {+++}jedoch bis heute weder in englischer noch deutscher Sprache.

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