Adipositas und Reismehl

November 17th, 2009 rmandt Posted in d. Gewichtsreduktion No Comments »

Gewichtsreduktion durch rotes Reismehl


Rotes Reismehl enthält Monacoline, die mit einer Halbwertszeit von 1.5 h als kompetitive HMG-CoA-Reduktase-Inhibitoren in der Leber wirken. Wie bereits ausgeführt, bremsen die Monacoline die Umwandlung von 3-Hydroxy-3-Methylglutaryl-Coenzym A in Mevalonat. Wird diese Umwandlung gebremmst, fällt aber nicht nur das Substrat 3-Hydroxy-3-Methylglutaryl-Coenzym A etwas verstärkt an, sondern auch dessen Vorstufen {+++} Acetoacetyl-CoA und Acetyl-CoA.

Acetyl-CoA wiederum kann in der Leber im Rahmen der Glukoneogenese zum Neuaufbau von Zucker verwendet werden. Acetyl-CoA stimuliert die Pyruvat-Carboxylase, die aus Pyruvat das Oxalacetat erzeugt. Oxalacetat wiederum ist das Substrat der Glukoneogenese. Der Neuaufbau von Glukose ist energieaufwendig und kostet 2 Pyruvat, 4 ATP, 2 GTP und 4 H2O (vgl. Carbohydrate Biosenthesis).

Da jedoch Übergewichtige durch ihre Fettreserven genügend Energie bereitstellen können, hat dieser Energieaufwand sogar einen positiven Effekt. Die Kohlenstoffquellen (u.a. glukogene Aminosäuren) finden sich im Aminosäureanteil des roten Reismehls (vgl. Kapitel 5.1.), so dass der Glukoneogenese aus biochemischer Sicht nichts entgegen steht.

Immer wieder war in chinesischen klinischen Studien über Gewichtsreduktionen unter Therapie mit rotem Reismehl berichtet worden. So berichteten HU Wanying et al. (1997), die 15 Hyperlipidämiepatienten mit 3.15 g rotem Reismehl über 8 Wochen behandelten, über eine Gewichtsreduktion 1.5% (66 auf 65 kg). In der 15köpfigen unbehandelten Kontrollgruppe hingegen trat dieser Effekt nicht auf. GUAN Xiuling (1997), der 35 Patienten mit Fettleber eine analoge Reismehldosis über 3 Monate verabreichte, stellte als Nebenbefund eine Gewichtsreduktion in 10 Fällen (29%) um 1 kg, in 8 Fällen (23%) um 2 kg und in einem Fall (3%) um 3 kg fest.

In deutscher Übersetzung liegt die Studie von Ling et al. (1997) vor, in welcher übergewichtige Patienten innerhalb einer dreimonatigen Therapie mit rotem Reismehl (3.15 g/d, verteilt auf 3 Gaben) eine z.T. erhebliche Gewichtsreduktion erzielen konnten. Eine direkte Übertragung der Ergebnisse auf den Durchschnittseuropäer ist jedoch nicht möglich. Es ist aufgrund des Größenunterschiedes eine Anhebung der Reismehlmenge notwendig (4.8-9.6 g/d) sowie eine engmaschige Einnahme alle 3 bis maximal 4 Stunden. Erst im Zusammenwirken mit einer kalorienreduzierten Kost sowie einer individuell angepassten Reismehleinnahme kann ein Therapieerfolg erzielt werden. Er gelingt besonders bei Patienten mit Heißhungerattacken, deren Hungergefühl auf deutliche Blutzuckerschwankungen zurückzuführen ist. Rotes Reismehl stabilisiert, wie bereits bei Diabetikern und biochemisch belegt gezeigt, indirekt den Blutzucker und führt somit bei leicht fallendem Blutzuckerwert zur schnellen Anhebung via Glukoneogenese. Dies führt bei engmaschiger Einnahme ausreichender Reismehlmengen zu einer erheblichen Reduktion des subjektiv empfundenen Hungergefühls und erlaubt es Übergewichtigen, eine kalorienreduzierte Kost über lange Zeiträume problemlos einzuhalten.

Die Gewichtsreduktion erfolgt innerhalb der ersten Wochen schneller, später verringert sie sich aufgrund der Downregulation des Grundumsatzes mit zunehmender Diätdauer. Dies bedeutet für den Patienten die Notwendigkeit einer engmaschigen Eigenkontrolle des Hungergefühls und eine stetige Einnahme des Reismehls ggf. alle 3 Stunden in ausreichender Menge. Geringe ‘Diätverstöße’ führen in diesem späteren Stadium meist zu einer erheblichen Verringerung der Gewichtsreduktionsgeschwindigkeit.

Ein erheblicher Vorteil dieser Gewichtsreduktion mit rotem Reismehl ist jedoch die drastische Reduktion des Hungergefühls und die sonstigen kardioprotektiven Vorteile (Blutfettregulation, Senkung der Blutviskosität, Verringerung des KHK-Risikos). Diese Art der Gewichtsreduktion ist vor allem für eigenständige Patienten sehr gut geeignet.

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